Kleine Häuser (10): Der Großstädter träumt vom Land

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Berliner Allee 109, Berlin-Weißensee

Erbaut 1874. Erste Urbanisierungswelle im bisherigen Dorf Weißensee. Links und rechts stehen die Häuser späterer Wellen, die das Haus zum Häuschen haben werden lassen. Im Stil der Cottagearchitektur der 1860er- und 1870er-Jahre gehalten, steht es für ein Design, das damals der Flucht des Stadtbewohners aufs Land den ästhetischen Rahmen gab: Heute noch zu sehen an den Dachgauben mit ihren neugotischen Holzgiebeln, im damals populären Schweizerstil.

Angefangen hat es 1862 mit der Entscheidung des 25-jährigen Glasers Carl Herpel aus Pasewalk, nach Berlin zu gehen. Zunächst wohnt er mitten in der Großstadt, in der Hirschelstraße, die heute ein Teil der Stresemannstraße in Kreuzberg ist, dann um die Ecke in der Dessauer Straße, schließlich in den 1870er-Jahren in der Kurzestraße, dort wo heute die Karl-Marx-Allee beginnt – also immer mittendrin.

Auf der anderen Seite spielt der auf den Virgin Islands aufgewachsene, in Hamburg tätige Kaufmann und Entrepeneur Gustav Adolf Schön eine wichtige Rolle für das Entstehen dieses Hauses wie für die Stadtwerdung Weißensees insgesamt. 1872 kaufte er für 700.000 Taler das Rittergut Weißensee, damals weit weit weit vor den Toren der Stadt Berlin und nördlich des alten Dorfs Weißensee gelegen. Schön war ein Spekulant, der nun alles dafür tat, dass Weißensee bald zu einer begehrten Wohnlage wurde. Begünstigt wurde die Entwicklung, die auf den gewaltigen Zuzug nach Berlin – die „Gründerzeit“ – reagierte, durch die Einrichtung einer Pferdebuslinie von der Stadt nach Weissensee 1873.

1874 kauft Carl Herpel, dessen Geschäfte – vermutlich aufgrund der reichen Bautätigkeit und dem damit verbundenen enormen Fensterbedarf – gut gegangen sein müssen, eines der Grundstücke in Weißensee.

Ein Mann, der sein Geld mit der Großstadt verdient hat, möchte selbst nicht mehr in dieser leben, sondern baut sich lieber eine pseudoländliche Idylle im touristisch inspirierten Alpenstil. Zunächst wohnte Glaser Herpel selbst im Haus.

1877 fuhr erstmals die von Pferden gezogene Straßenbahn nach Weißensee. Bauherr Herpel und Investor Schön hatten im Sinne eines guten Investments alles richtiggemacht. Weißensee wurde langsam ein Teil der Großstadt und die Preise stiegen.

1880 jedoch zog Herpel aus unbekannten Gründen aus und eine Apotheke ein, vermutlich wurde damals die bis heute bestehende goldene Inschrift angebracht.

In den darauf folgenden 100 Jahren mussten eine ganze Menge älterer Häuser in Weissensee abgerissen werden bis es endlich hieß: Die Floraapotheke ist das älteste Haus in Weissensee.

Kleine Häuser (9): Sieht erst mal wieder halbwegs anständig aus

Wilmersdorfer Straße 104, Berlin-Charlottenburg

Das Vorderhaus wurde durch Bomben zerstört. Nur die Ladenzone wurde wieder hergerichtet. Die Reste der Kriegsruine wurden hinter einer provisorischen Sichtblende aus Holzbrettern versteckt. Ein Provisorium, wie es selbstverständlich zum Straßenbild der Wirtschaftswunderzeit gehörte. Nur erstaunlich, dass es heute noch vorhanden ist.

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Kleine Häuser (5): Una casa blanca in Datatopia

Berliner Allee 183, Berlin-Weißensee

„Die nach einer Kohlroulade aussehende Speise sollte mal ein Cordon bleu werden. Das Fleisch war so hart, dass man mit einem Messer kaum durchgekommen ist. Wahrscheinlich ein Fall fürs Gesundheitsamt! Der einzige Pluspunkt war, dass mir das Geld nach einem Anruf zurückerstattet wurde.“

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Kleine Häuser (3): Das andere Brecht-Haus

Berliner Allee 185, Berlin-Weißensee

„Eine Villa wie tausend andere in Berlin: unzerstört, nur etwas vernachlässigt in einem verlotterten Garten, geräumig, und wenn ich mich richtig erinnere, fast teppichlos. Ein schöner alter Schrank, ein paar Möbel bäuerlichen Stils […] Ich schlief in einer Dachkammer, ehedem Dienstmädchenzimmer …“, schreibt Max Frisch.

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Kleine Häuser (2): Ein Pferdestall im Prenzlauer Berg

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Templiner Str. 19, Prenzlauer Berg

„Das letzte Jahrhundert der Pferde“ hat der Kulturhistoriker Ulrich Raulff das 19. Jahrhundert genannt. Der wohl letzte erhaltene Pferdestall im Prenzlauer Berg (Templiner Str. 19), laut Denkmalliste in den Jahren 1863/64 erbaut, ist ein sprechendes Zeugnis dieser Ära.

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